Definition
Minimalmengenschmierung (MMS) ist ein Kühlschmierverfahren, bei dem ein feiner Ölnebel (Aerosol) mit 5–50 ml/h an die Schneide gebracht wird. Im Vergleich zu konventioneller Emulsionskühlung (typisch 20–60 l/min) wird der Schmierstoffverbrauch um > 99 % reduziert. MMS schmiert die Kontaktzone, kühlt aber kaum — die Wärme wird primär über den Span abgeführt.
Detaillierte Erklärung
MMS-Systeme unterscheiden sich in der Aerosolerzeugung: Externe MMS bringt das Aerosol über Düsen von außen an die Schneide (einfach nachrüstbar, für 3-Achs-Bearbeitung). Interne MMS führt das Aerosol durch die Spindel und das Werkzeug direkt an die Schneide — deutlich effektiver, besonders beim Bohren und bei tiefen Kavitäten.
Geeignete Anwendungen: Aluminium-Zerspanung (keine Aufbauschneidenbildung), Gusseisen (kurzspanend, kein KSS-Bedarf), Leichtmetalle, MDF- und GFK-Bearbeitung. Weniger geeignet: Edelstahl und Titan (zu wenig Kühlung), tiefe Taschen in Stahl (Wärmestau). Die Kombination HSC + MMS ist bei Aluminium und Gusseisen besonders wirtschaftlich.
Vorteile: Saubere Maschine und Werkstücke (fast keine Ölreste), kein KSS-Management (keine Emulsionspflege, kein Bakterienbefall), trockene Späne (höherer Recyclingwert), besserer Arbeitsschutz (weniger Aerosol-Belastung der Luft). DGUV Regel 109-003 gibt Hinweise zum sicheren Einsatz von MMS.
Arten & Varianten
Externe MMS
Aerosol über externe Düsen. Einfach nachrüstbar, für 3-Achs und offene Bearbeitungen.
Interne MMS (durch Spindel)
Ölnebel durch Spindel und Werkzeug. Optimal für Bohren und tiefe Kavitäten.
MMS-Öle
Spezielle Esteröle mit hoher Schmierwirkung und biologischer Abbaubarkeit.
Formel
Normen & Standards
Kühlschmierstoffe — Begriffe, enthält MMS als Kategorie.
Tätigkeiten mit Kühlschmierstoffen — Sicherheitshinweise für MMS.
Kühlschmierstoffe für die Zerspanung — Auswahl und Anwendung von MMS.