Was ist CNC-Programmierung?
CNC-Programmierung bedeutet, einer Werkzeugmaschine in ihrer Sprache — dem G-Code — mitzuteilen, welche Bewegungen sie ausführen soll. Jedes NC-Programm ist eine Abfolge von Befehlen: Bewege das Werkzeug hierhin, schalte die Spindel ein, fräse mit diesem Vorschub, bohre an dieser Position.
Während unser G-Code-Grundlagen-Guide die Theorie hinter den Befehlen erklärt, konzentriert sich diese Seite auf die Praxis: Sie werden am Ende dieser Anleitung ein funktionierendes Programm geschrieben haben, das eine einfache Kontur fräst.
Voraussetzung: Sie kennen die grundlegenden G-Code-Befehle (G00, G01, G02/G03). Falls nicht, lesen Sie zuerst unseren G-Code-Grundlagen-Guide.
Programmstruktur — Aufbau eines NC-Programms
Jedes NC-Programm folgt einer klaren Struktur — wie ein Kochrezept mit Vorbereitung, Zubereitung und Aufräumen:
Programmnummer, Sicherheitsbefehle, Maßeinheit (G21 = mm), Koordinatenmodus (G90 = absolut), Nullpunktverschiebung (G54).
Werkzeug wechseln (T01 M06), Spindel starten (M03 S...), Kühlmittel einschalten (M08), Sicherheitsposition anfahren.
Auf Startposition fahren, Z-Zustellung, Kontur fräsen mit G01/G02/G03. Gegebenenfalls mehrere Durchgänge mit verschiedenen ap.
Z nach oben fahren, Spindel stoppen (M05), Kühlmittel aus (M09), Referenzposition anfahren, Programmende (M30).
Koordinatensystem verstehen
Bevor Sie ein Programm schreiben, müssen Sie das Koordinatensystem der Maschine verstehen. Bei einer CNC-Fräsmaschine gilt nach DIN 66217:
Links / Rechts
Vorne / Hinten
Oben / Unten
G90 (Absolut) — Alle Koordinaten beziehen sich auf den Werkstücknullpunkt. G01 X50.0 fährt zur Position X = 50 mm.
G91 (Inkremental) — Koordinaten sind Abstände relativ zur aktuellen Position. G01 X50.0 fährt 50 mm in +X-Richtung weiter.
Tipp für Einsteiger: Arbeiten Sie immer mit G90 (absolut) — inkremental ist fehleranfälliger, da sich Fehler aufaddieren.
Ihr erstes G-Code-Programm — Quadrat fräsen
Wir fräsen ein 50×50 mm Quadrat mit 3 mm Tiefe in Aluminium. Werkzeug: VHM-Schaftfräser Ø 8 mm, 3 Schneiden. Schnittdaten: vc = 200 m/min → n ≈ 7.960 U/min, fz = 0,08 mm → vf ≈ 1.910 mm/min. (Berechnet mit unserem Schnittdaten-Rechner.)
; --- Programmkopf --- O1001 ; Programmnummer G21 G90 G17 ; mm, absolut, XY-Ebene G54 ; Werkstück-Nullpunkt 1 ; --- Werkzeugaufruf --- T01 M06 ; Werkzeug 1 einwechseln S7960 M03 ; Spindel CW, 7960 U/min M08 ; Kühlmittel ein ; --- Anfahrt --- G00 X-5.0 Y-5.0 ; Eilgang: Startposition XY G00 Z5.0 ; Eilgang: Sicherheitshöhe G01 Z-3.0 F500 ; Eintauchen auf Tiefe 3 mm ; --- Kontur fräsen (Quadrat 50×50) --- G01 X55.0 F1910 ; Seite 1: nach rechts G01 Y55.0 ; Seite 2: nach hinten G01 X-5.0 ; Seite 3: nach links G01 Y-5.0 ; Seite 4: nach vorne (Start) ; --- Programmende --- G00 Z50.0 ; Z nach oben (Sicherheit) M05 ; Spindel stopp M09 ; Kühlmittel aus G00 X0 Y0 ; Zurück zum Nullpunkt M30 ; Programmende + Reset
Warum X-5/Y-5 und X55/Y55? Der Fräser hat Ø 8 mm (Radius 4 mm). Mit Startkoordinaten von -5/-5 und Endkoordinaten von 55/55 fahren wir jeweils 5 mm über das Werkstück hinaus — so schneidet der Fräserumfang exakt auf der 0/50-mm-Linie. In der Praxis nutzt man Fräserradiuskompensation (G41/G42) für diese Korrektur.
Die 10 wichtigsten G-Codes für Einsteiger
Mit diesen 10 Befehlen können Sie bereits 80 % aller einfachen Bearbeitungen programmieren. Die vollständige Referenz finden Sie in unserer G-Code-Referenztabelle.
| Code | Funktion | Beispiel |
|---|---|---|
| G00 | Eilgang (Positionieren) | G00 X50.0 Y25.0 |
| G01 | Linearinterpolation (Gerade) | G01 X100.0 F500 |
| G02 | Kreisbogen im Uhrzeigersinn | G02 X50 Y0 R25 |
| G03 | Kreisbogen gegen Uhrzeigersinn | G03 X50 Y0 R25 |
| G17 | XY-Ebene wählen | G17 |
| G21 | Metrisch (mm) | G21 |
| G54 | Werkstück-Nullpunkt 1 | G54 |
| G90 | Absolutmaß-Programmierung | G90 |
| M03 | Spindel ein (CW) | S5000 M03 |
| M30 | Programmende + Rücksetzen | M30 |
5 Praxis-Tipps für CNC-Anfänger
- Sicherheitsabstand programmieren — Fahren Sie vor jeder XY-Positionierung mit G00 auf eine sichere Z-Höhe (z.B. Z50). Erst dann XY anfahren, dann Z-Zustellung. Niemals diagonal im Eilgang zum Werkstück!
- Programm im Trockenlauf testen — Jeden neuen Code zuerst im Trockenlauf (Dry Run) oder ohne Werkstück testen. Dabei die Geschwindigkeit über den Feed-Override auf 10 % reduzieren und am Bildschirm mitverfolgen.
- Kommentare schreiben — Kommentieren Sie jede Sektion mit einem Semikolon (;) oder in Klammern. In 6 Monaten werden Sie sich nicht mehr erinnern, warum Sie X-5 statt X0 gefahren sind.
- Schnittdaten berechnen, nicht raten — Verwenden Sie unseren Schnittdaten-Rechner oder die Herstellerkataloge. Falsche vc- oder fz-Werte führen zu Werkzeugbruch — lesen Sie auch unseren Guide zur Werkzeugbruch-Vermeidung.
- Generatoren als Lernhilfe nutzen — Unsere G-Code-Generatoren erzeugen sofort lauffähigen Code für Standardgeometrien. Studieren Sie den generierten Code, um die Programmierlogik zu verstehen.
5 typische Anfängerfehler — und wie Sie sie vermeiden
Ohne explizites G21 (mm) interpretiert die Steuerung je nach Einstellung in Zoll — aus 50 mm werden dann 50 Zoll (1.270 mm). Immer G21 im Header setzen!
G00 fährt alle Achsen gleichzeitig, aber nicht unbedingt linear — es kann zu Kollisionen mit Spannmitteln kommen. Lösung: Immer erst Z nach oben, dann XY, dann Z nach unten.
Ohne F-Wort in einem G01-Satz nutzt die Steuerung den letzten F-Wert oder stoppt. Den F-Wert immer im ersten G01-Satz angeben, danach bleibt er modal aktiv.
Ohne M03/M04 dreht sich der Fräser nicht — die Maschine fährt trotzdem und das Werkzeug bricht durch die Lateralbelastung. Checkliste: T → M06 → S → M03 → M08 → dann erst verfahren.
Im Inkrementalmodus (G91) bedeutet X50.0 „fahre 50 mm weiter", nicht „fahre zur Position 50". Bei einer Verwechslung verfahren die Achsen an falsche Positionen. Lösung: Arbeiten Sie als Anfänger ausschließlich mit G90 (absolut).
G-Code automatisch generieren
Unsere Generatoren erzeugen fertigen G-Code für Taschen, Lochkreise, Konturen und Gewinde — ideal zum Lernen und als Produktionsunterstützung.
Nächste Schritte — Vom Einsteiger zum Fortgeschrittenen
Wenn Ihr erstes Quadrat erfolgreich gefräst ist, erweitern Sie Ihr Wissen systematisch:
Schritt 1: Lernen Sie Kreisinterpolation (G02/G03) — damit können Sie Bohrungen, Radien und Kreistaschen programmieren.
Schritt 2: Verstehen Sie Fräserradiuskompensation (G41/G42) — keine manuelle Offset-Berechnung mehr nötig.
Schritt 3: Nutzen Sie Zyklen für Bohrungen (G81–G89) und Taschen — sie verkürzen das Programm erheblich.
Schritt 4: Arbeiten Sie mit Unterprogrammen (M98/M99) für wiederkehrende Geometrien.