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Einstechen beim CNC-Drehen
— Werkzeuge & Schnittdaten

Einstechen (Grooving) und Abstechen (Parting Off) gehören zu den anspruchsvollsten Operationen beim CNC-Drehen. Dieser Praxisleitfaden zeigt die richtige Werkzeugauswahl, optimale Schnittdaten und bewährte Strategien für einen prozesssicheren Einstechvorgang.

5 Min. Lesezeit Aktualisiert: März 2026

Was ist Einstechen?

Beim Einstechen fährt ein schmales Werkzeug radial in das rotierende Werkstück und erzeugt eine Nut definierter Breite und Tiefe. Anders als beim Längsdrehen wirken die Schnittkräfte beim Einstechen fast ausschließlich in radialer Richtung — das macht den Prozess instabiler und anfälliger für Vibrationen.

Typische Anwendungen in der CNC-Fertigung:

  • Freistiche nach DIN 76 (Gewindefreistich) und DIN 509 (Formfreistich)
  • O-Ring-Nuten und Sicherungsringnuten nach DIN 471/DIN 472
  • Abstechen (Parting Off) — Werkstückabtrennung vom Stangenmaterial
  • Profilnuten für Dichtungen und Formschlusselemente

Werkzeugauswahl — Stechplatten & Halter

Die richtige Werkzeugkombination ist beim Einstechen entscheidend für die Prozesssicherheit:

Stechplattenbreite

Standard-Einstechplatten: 2–6 mm Breite. Für Abstechen: 1–3 mm. Faustregel: So breit wie nötig, so schmal wie möglich — schmalere Platten reduzieren die Radialkraft und den Materialverlust.

Spanbrecher-Geometrie

Für Innenbearbeitung (tiefe Nuten): Spanbrecher mit starker Krümmung für kurze Späne. Für Abstechen: Spezielle Parting-Off-Geometrien, die den Span zur Mitte lenken. Für Edelstahl: Scharfe Geometrien mit positivem Spanwinkel gegen Aufbauschneiden.

Haltersteifigkeit

Verwenden Sie den kürzestmöglichen Werkzeugüberhang. Maximaler Überhang: 1,5× Plattenbreite. Bei tieferen Nuten: Klingenhalter oder verstärkte Halter mit integrierter Kühlung einsetzen.

Schnittdaten-Empfehlungen nach Werkstoff

Die folgenden Richtwerte gelten für HM-Stechplatten mit Standardbeschichtung. Berechnen Sie die exakte Drehzahl mit unserem Schnittdaten-Rechner Drehen.

Werkstoff vc (m/min) fn (mm/U) Kühlung
Baustahl S235100–1400,08–0,15Emulsion
C45 / 42CrMo480–1200,06–0,12Emulsion
Edelstahl 1.430160–900,05–0,10Schneidöl / Emulsion
Aluminium AlMgSi150–3000,08–0,15Emulsion / MMS
Gusseisen GJL25080–1300,08–0,15Trocken / MMS
Titan Ti6Al4V25–450,05–0,08Hochdruck-KSS

Richtwerte für HM-Stechplatten (beschichtet). Bei unbeschichteten Platten vc um 20–30 % reduzieren. Bei Abstechen zum Zentrum hin: G96 mit Drehzahlbegrenzung (LIMS/G92) verwenden.

Prozessführung — Strategien für stabiles Einstechen

  1. Konstante Schnittgeschwindigkeit (G96) — Programmieren Sie immer mit G96, damit vc beim Einstechen konstant bleibt, auch wenn der Durchmesser abnimmt. Drehzahl-Obergrenze über LIMS oder G92 setzen.
  2. Schrittweises Einstechen — Bei tiefen Nuten (Tiefe > 3× Plattenbreite): In Schritten von 1–2 mm zufahren, zwischen den Schritten kurz freischneiden (0,2 mm seitliche Bewegung), damit der Span bricht und nicht staut.
  3. Innenkühlung nutzen — Kühlmittel muss direkt an die Schneide gelangen. Integrierte Kühlung durch den Stechhalter ist der externen Zufuhr deutlich überlegen — besonders bei Edelstahl und Titan.
  4. Beim Abstechen: Reduzierten Vorschub zum Zentrum — In den letzten 2–3 mm vor dem Abtrennen fn auf 50 % reduzieren, um sauberen Trennschnitt und minimalen Zapfen zu erzielen.

Häufige Probleme & Lösungen

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Spanstau in der Nut

Ursache: Zu langer Span wickelt sich in der Nut. Lösung: Spanbrecher-Geometrie prüfen, schrittweises Einstechen mit Freischneiden, Hochdruck-Innenkühlung (70+ bar).

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Vibrationen / Rattern

Ursache: Werkzeugüberhang zu groß, Werkstück zu lang/dünn. Lösung: Halter so kurz wie möglich, fn reduzieren (0,05 mm/U), Reitstock/Lünette bei L/D > 4:1.

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Aufbauschneidenbildung (BUE)

Typisch bei Edelstahl und Aluminium. Ursache: vc zu niedrig oder falsche Beschichtung. Lösung: vc erhöhen (min. 80 m/min bei Edelstahl), PVD-TiAlN-Beschichtung, Schneidöl statt Emulsion.

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Zapfen beim Abstechen

Ursache: Werkzeugmitte liegt nicht exakt auf Drehmitte oder Werkstück bricht vor dem Durchtrennen. Lösung: Werkzeughöhe exakt einstellen (auf Mitte!), fn am Zentrum reduzieren, ggf. mit leichtem Versatz zur Mitte hin arbeiten.

Schnittdaten fürs Drehen berechnen

Drehzahl, Vorschub und Bearbeitungszeit für Ihre Drehoperation — inklusive Einstechen und Abstechen.

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Häufig gestellte Fragen — Einstechen beim Drehen

Welche Schnittgeschwindigkeit beim Einstechen in Stahl?
Beim Einstechen in unlegierten Stahl (S235–C45) mit HM-Stechplatten liegt die empfohlene vc bei 80–120 m/min. Für Edelstahl (1.4301) reduzieren Sie auf 60–90 m/min, für Aluminium sind 150–300 m/min möglich. Der Vorschub fn sollte zwischen 0,05–0,15 mm/U liegen — deutlich geringer als beim Längsdrehen, da die Schnittkräfte beim Einstechen radial wirken. Berechnen Sie die Drehzahl mit unserem Schnittdaten-Rechner Drehen.
Wann sollte man Einstechen statt Abstechen verwenden?
Einstechen (Grooving) erzeugt eine Nut definierter Breite und Tiefe in der Werkstückoberfläche — z.B. für O-Ring-Nuten, Sicherungsringnuten oder Freistiche. Abstechen (Parting Off) trennt ein fertiges Teil vom Stangenmaterial ab — das Werkzeug fährt bis zur Mitte durch. Die Werkzeuge ähneln sich, aber Abstechplatten sind schmaler (1–3 mm) und haben spezielle Spanbrecher für die vollständige Durchtrennung. Für Freistiche nach DIN 76 nutzen Sie Einstechplatten mit definiertem Radius.
Warum vibriert mein Einstechvorgang?
Vibrationen (Rattern) beim Einstechen haben drei Hauptursachen: 1) Zu langer Werkzeugüberhang — der Stechhalter biegt sich bei Radialbelastung. Lösung: kürzestmöglichen Halter verwenden, max. 1,5× Plattenbreite Überhang. 2) Zu hoher Vorschub — beim Einstechen wirken die Kräfte rein radial, was das System stärker zum Schwingen anregt. Reduzieren Sie fn auf 0,05–0,08 mm/U. 3) Unzureichende Werkstückspannung — bei langen, dünnen Werkstücken eine Lünette oder Reitstock verwenden.

Weiterführende Ratgeber & Rechner